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Zurück zur BilderauswahlLetzte Aktualisierung am 09.08.2013

 Geschichte: Am 6. Oktober 1944 bekam Grumman von der US Navy den Auftrag, 2.023 F8F-1 herzustellen. Einige Monate später, am 5. Februar 1945, bekam Eastern Aircraft (General Motors) den Auftrag, 1876 Maschinen unter der Kennung F8M-1 herzustellen. Grumman begann im Februar 1945 mit der Auslieferung. Die Bearcats wurden der Jagdstaffel VF-19 zugeteilt, die im Mai des Jahres 1945 aufgestellt wurde. Die Bearcat wurde wie die Grumman F6F „Hellcat“ mit einem Pratt & Whitney R-2800-Double-Wasp-Motor ausgestattet, dennoch war sie aufgrund der Bauweise etwa 10 % schneller. Die Reichweite betrug etwa 1778 km, die Steigrate lag bei 23,2 m/s. Der erste von beiden Prototypen absolvierte mit einem R-2800-22W-Motor seinen Erstflug am 21. August 1944. Der Prototyp erreichte eine Steigrate von 24,4 m/s und eine Höchstgeschwindigkeit von 682 km/h. Die Bearcat wurde zunächst mit vier Maschinengewehren vom Kaliber 12,7 mm in den Flügeln ausgestattet. Unter den Tragflächen konnte sie zwei 454-kg-Bomben, vier 12,7-cm-Raketen oder zwei Zusatztreibstofftanks tragen.

 Als bekennender Warbirdfan stach mir schon lange die Bearcat ins Auge. Bei einem Besuch bei Lindinger wurde mir der Bausatz vorgelegt und ich entschloss mich spontan, das Modell zu erwerben. Da ich bereits die Me 110 von Planet Hobby gebaut habe, war ich guten Mutes, Qualität zu erwerben. Leider mussten hier leichte Abstriche gemacht werden, aber dazu später. Peter Erang hatte, wie zu lesen ist, in seinem Bericht („Modell“ 2/2009) über die Voll-GFK Bearcat (die Vorgängerversion) mit dem Gewicht und dem Fahrwerk zu kämpfen. In diesem Fall ist die Befürchtung unnötig. Das Gewicht aller Teile aus dem aktuellen Bausatz samt Beschlägesackerln, Fahrwerk mit den schweren Scale – Rädern, inklusive Motor, Zündung und Du-Bro Motorträger kommt auf 4821g. Der Lieferzustand des GFK-Modells von Peter Erang brachte OHNE Fahrwerk und Motor 4919g (!) auf die Waage.

 Bausatz: Die F8F kommt mit fertig lackiertem Rumpf und Motorhaube in Navy-Blue aus der Schachtel. Die Flächen, das Höhen- und Seitenleitwerk sind mit farblich passender Folie bespannt und alle Markierungen sind aufgebracht. Eine Superlackierung von der Ausführung in Hochglanz. Das passt für einen Warbird nicht unbedingt. Aber da das Original nie im Kriegseinsatz war, ist das in Ordnung. Als Zubehör sind alle nötigen Kleinteile, Motorträger und Tank beigelegt. Sogar der Zusatztank ist dabei. Die Wahlmöglichkeit für den Erbauer ist, das Modell mit starrem oder Einziehfahrwerk zu bauen. Ein starres Fahrwerk kam für mich nicht in Frage, daher wurde gleich das speziell für die Bearcat angebotene Set mitgeordert. Als Empfehlung sind  Motoren von 18 - 20ccm (bei 6,5kg Gewicht,  Werksangabe) angegeben. Vorgabe war für mich, dass in der Motorhaube keine Ausschnitte für den Motor oder Schalldämpfer gemacht werden müssen. Meine Wahl fiel auf den neuen MVVS 26 IPS SP ICU-L Benziner mit 25,68ccm Hubraum, 936g (ohne Zündung) mit ca. 3,2 PS / 7000 U/m und der schräg angebrachten Kerze.

 Flächen: die Fliesscharniere der Klappen und Querruder brauchen nur noch eingeklebt zu werden. Als nächstes werden Fahrwerk- und die Servoschächte freigelegt. Die Folie ist ziemlich zäh, also Vorsicht beim Schneiden. Die Fahrwerksauskleidungen aus ABS sind so spröde, dass man das Material, damit es nicht splittert, nur nach Anwärmen schneiden kann. Vor dem Einkleben gut aufrauen, sonst klebt die Sache nicht richtig. Trotzdem ist mir einiges abgesplittert. Schuld daran ist die ungleichmäßige Materialstärke. Je dünner, desto spröder.

 FAHRWERK:  In vielen Foren liest man, dass das Fahrwerk von PH bei der Bearcat wegen der langen Beine und dem damit verbundenen Gewicht nicht einfahren würde. PH hat hier scheinbar Entwicklungsarbeit investiert. Nun fährt das Fahrwerk beim Test schon bei 2 bis 3 Bar trotz der irre langen Federbeine und der Scale - Räder ein und aus. Ein Grund zum Murren sind die unterschiedlichen Maßeinheiten: in China dürfte man die staatlich Zensurierten Maßbänder benutzen. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Fahrwerksbeine um 15mm (1,5cm!) zu lang sind. Nun hat man zwei Möglichkeiten: entweder man fräst den Sitz in der Fläche um das fehlende Maß aus oder man dreht die Fahrwerksbeine um 15mm ab. Die einfachere Methode ist die zweite. Wenn man den Splint entfernt, kann man den Rest des Beines problemlos in die Drehbank einspannen. Glücklich ist, wer eine solche sein Eigen nennt oder einen Kollegen kennt, der hilfreich zur Seite steht.

 Leitwerke: hier wäre es gut, einen Chinesen mitgeliefert zu bekommen. Die Anlenkung des Seitenruders und das Gegenlager aus Sperrholz ist nur mit Kinderfingern (oder denen eines Chinesen)  trotz der Ausnehmung anzubringen. Die Idee ist gut, nur die Umsetzung stellt die Geduld des Erbauers auf die Probe. Sonst gibt es nicht viel zu beschreiben. Auch hier sind die Fliesscharniere mit Sekundenkleber einzukleben. Achten Sie darauf, die beiden Verdrehsicherungen (6mm Rundholz) nicht zu weit aus den Höhenruderflächen herausschauen zu lassen, da sie sonst am Innenspant anstehen.

 Motoreinbau:  der MVVS baut recht kompakt. Der einzige Ausschnitt betrifft den Einlassring des Vergasers und den Chokehebel, was aber nicht auffällt. Der notwendige Ausschnitt liegt genau auf der Vorderseite der Motorhaube. Ich habe den Motor mit einem Du-Bro - Motorträger  montiert, der Schalldämpfer ist ein Eigenbau mit zwei Kammern. Die Auslässe wurden mit Wellschlauch an den Originalplätzen beiderseits nach Außen geführt. Den Choke habe ich mit einem kleinen Hebel versehen, der von vorne leicht betätigt werden kann. Die Rückstellung erfolgt durch Gasgeben.

 Technik: eine Doppelstromversorgung mit Weiche, eigenständiger Stromversorgung für alle Servos und ausfallsicherer Empfängerstromversorgung ist für mich bei solchen Modellen Pflicht. Hier greife ich auf das bei mir bereits bewährte Emcotec Mini Magic 5 zurück. Als Servos sind auf den Rudern und Klappen DS 821 sowie am Höhenruder ein BLS 152 installiert. 2x 3200er LiPo sorgen für die Stromversorgung, ein 2300er für die Zündung. Hinweis: der Motor benötigt für die Zündung mindestens 6V. Also könnte man die 2 Zellen des Lipo direkt anschließen. Als Fahrwerksventil kommt ein Jet-Tronic (Zweikreis) zum Einsatz.

 Fliegen:  den Schwerpunkt habe ich bei 150mm ab Nasenleiste festgelegt. Lt. Hersteller liegt er bei 145mm. Mit den knapp über 7kg Abfluggewicht werden die 3,8PS des MVVS locker fertig. Etwas Muffensausen war schon bemerkbar, als ich das Gas zum Start hineinschob. Es zeigte sich beim Start, dass die SP-Angabe des Herstellers auf der sicheren Seite und mein errechneter SP um eine Spur zu weit hinten lag. Dieses Manko ließ sich aber ohne Probleme aussteuern, da der Motor brav nach ca. 20min Einlaufzeit seine Arbeit mit genügender Leistung verrichtete. Das Ausfahren der Landeklappen bewirkt keine Lastigkeitsänderung, das Modell wird nur langsamer. Auch mit zusätzlich ausgefahrenem Fahrwerk ändert sich nichts. Mit etwas Schleppgas lässt sie sich relativ langsam machen, der Strömungsabriss kommt sehr spät. Die Fluggeschwindigkeit mit Vollgas ist Warbirdlike.

 Fazit: Die Bearcat von PH ist gegenüber der Voll-GFK Version um 1kg leichter geworden, was sich in guten Flug- und Landeeigenschaften niederschlägt. Leider wird das Gesamtbild etwas durch die Tiefziehteile (besonders die Fahrwerksverkleidungen für die Flächen) etwas getrübt. Wer aber einen absoluten Herzwärmer sucht, die Bearcat ist sowohl in der Luft als auch am Boden ein  wahrer Augenschmaus.
 


 

Technische Daten

       
Erzeuger     Planet Hobby    
Vertrieb     Modellbau Lindinger  
Spannweite 1860 mm

Preis

299,00 Euro
Länge 1346 mm Flächeninhalt 55,3 dm2
Fluggewicht lt. Hersteller 6500 g Flächenbelastung 118,5 g/dm2

Tatsächliches Fluggewicht

7020 g Empfohlene Motoren 13-20ccm

Funktionen

 SR, HR, M, QR, LKL, EZFWK      

Bauweise

 Rumpf GFK, Flächen und Leitwerk Holz      
       
Die Ausstattung:      
Motor     MVVS 26ccm IFS      
Schalldämpfer     Eigenbau, Auslass links und rechts der Motorhaube      
Propeller   16 x 8, Drehzahl Standgas ca. 450 U/min, Vollgas ca. 7400 U/min      
Servos QR, KL, SR, M DS 821      
Servo HR BL 9152      
Einziehfahrwerk     Planet Hobby Originalzubehör      
Steuerventil     Jet-Tronic (2-Weg)      
Stromversorgung     2x Lipo 3200mAh für Empfänger, 1x 2300mAh für Zündung      
Weiche     Emcotec DPSI Mini 5 Magic mit Magnetschalter      
Zündung     Elektronikschalter SM-Modellbau      
             
Zubehör Fahrwerk im Lieferzustand: Druckzylinder, Fahrwerksbeine gefedert, Räder, Steuerventil mechanisch, Schlauchverbinder, Druckschlauch, Kleinteile
 
   

 

       

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Der Überstand des Fahrwerks        
Erstflug am 02. April 2011        
            
Startphase. Noch etwas Hecklastig (Phuuuuu!).        

 

Flug        
                                                     
Landung

Auch das passiert bei Warbirds!

       
       

 

       
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