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Erfahrungen mit der

Fokker DrI

(Im Vertrieb von Jamara)

Es gibt mehrere Wege, zu einem guten vorbildgetreuen oder vorbildähnlichen Flugzeugmodell zu kommen. Beispielsweise können Sie einen der vielen angebotenen Bausätze verwenden und damit das erstrebte Ziel erreichen. Manfred Stocker hat aus dem Baukasten im Vertrieb von JAMARA eine schöne Fokker DrI aufgebaut, wobei er durch geringfügige Änderungen jetzt ein wettbewerbsfähiges Scale-Modell hat.                                                                   Der Verlag

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Betrachtung     Baukasten     Korrekturen      Rumpf     Flächen
Leitwerk   Fahrwerk   Einstellwinkel  Anlenkung     Flugerfahrung
Zusammenfassung     Technische Daten
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Betrachtung: Leider wird der Scale-Flieger bei der Auswahl seines Modells von vielen Überlegungen gequält. Gutmütig soll sie fliegen (beim Wettbewerb hat man mit sich selbst genug zu tun), Bonuspunkte soll es bringen und gut ausschauen soll es auch. Der Bauaufwand soll sich in Grenzen halten, die Dokumentation soll (relativ leicht) zu beschaffen sein. Was an und für sich das größte Problem ist. Nun, zur Fokker gibt es im VTH-Verlag neben Büchern auch Fachliteratur wie "In Action" und "Aircraft Archive" usw.; auch liefert die Fa. Aero-Max sehr gute Unterlagen. Ferner hängt im Deutschen Museum in München (aber auch in Berlin)  ein Replika einer DrI an der Decke. In München können Sie auch ein Spandau-MG (Bild) in einer Vitrine begutachten und fotografieren. 

Der Baukasten: Leisten und Bretter in sehr guter Qualität en masse. Auf dem großen 2-Seiten-Bauplan sind alle erforderlichen Schritte aufgezeichnet, so daß man unter Umständen auch ohne die engl. Bauanleitung auskommt. Schade, daß sie nicht in der deutschen Übersetzung beiliegt. Nach dem Sortieren aller Leisten kommt ein kurzes Halt für 

Korrekturen zur Scale-Ausführung: Nehmen Sie sich jetzt die Dreiseitenansicht, die schon beschafft wurde, und vergleichen Sie die Umrisse mit dem Plan. Alle Änderungen werden in den Plan eingezeichnet. Besonders ist auf die Streben, Strebenbefestigungen Rumpf/Fläche und das HLW hinzuweisen. Ändern Sie zuerst, bauen Sie danach - es erspart Ihnen viel Ärger. Nun zum Bau: der Einsteiger in Sachen Scale oder Semi-Scale sollte folgendes wissen: Light, das Schlagwort unserer Zeit, hat hier gewichtige Bedeutung. Ich habe z.B. am ganzen Modell nur Superkleber verwendet, mit Ausnahme hoch belasteter Teile wie Kopfspant, Fahrwerksbefestigung, usw., wo 5-Min.-Epoxy verwendet wurde. Die Methode mit Superkleber ist nicht jedermanns Sache, aber leicht!

Der Rumpf: Der normalerweise ungenützte Raum zwischen Motorspant und 1. Rumpfspant wurde mit einem Deckel an der Rumpfoberseite versehen. In diesen Raum werden das Drosselservo, der Stromversorgungsteil sowie sämtliche Anschlüsse der Spritschläuche - ausgeführt in Alurohr - untergebracht. Für den Tank (MPX, 450ccm) wird ein Loch in den 2. Spant gebohrt, dieser bis zur Verdrehsicherung in der Mitte von hinten eingeschoben und mit Leisten fixiert. Nach vorne wird der Tank durch Gummizüge, die an einem an der Tankrückseite angeklebten Brett befestigt sind, festgehalten. Dadurch bleibt er immer leicht ausbaubar und die Spritschläuche kurz. Alle Leistenverbindungen am Rumpf wurden mit Klebeknoten aus Plastik (Graupner) verstärkt. Für das Seitenruder wurden Scharniere von KDH mit Messingbuchse und dafür angefertigter Achse mit Gewinde und Stopmutter verwendet. Der Sporn wurde im Rumpf beweglich gelagert und mit Federn funktionsfähig gemacht (Bild). Gut zu sehen die zwei Federn zur Federung, die Ruderhörner aus Pertinax und die Lagerung des Seitenruders. Die Spornform wurde nachträglich (im Foto noch nicht durchgeführt) auf Originalform geändert. 

Die Flächen: Die einzige größere Änderung betrifft die obere Fläche. Hier wurden im Mittelstück eine Sperrholzplatte (2,5mm) in die ganze Breite der Beplankung mit entsprechenden Bohrungen und Zackenmuttern für die Strebenhalterungen eingebaut. Hier muß sorgfältig gearbeitet werden, da die Belastung relativ groß ist. Die Querruderservos sind als ganze Einheit mit der Grundplatte aus der Tragfläche herauszunehmen (Bild). Die Servokabel wurden im Bereich zwischen Rumpf und Fläche mit Schrumpfschlauch überzogen, über Kreuz angebracht und so als Verspannung getarnt (Bild). 

Die Leitwerke: Beim HLW ist eigentlich nur die größere Rundung an den Rudern zu erwähnen. Das SLW wurde auf einer Vergrößerung der Dreiseitenansicht gebaut (Bild). 

Das Fahrwerk: ist genauest auf Geradeauslauf auszurichten. Wenn Sie hier nachlässig sind, biegt die Fokker beim ersten Start garantiert nach einer Seite ab. Sie ist sowieso beim Start recht heikel. Das kann verheerende Folgen haben. Ein Tipp: zeichnen Sie eine gerade Linie auf Ihren Arbeitstisch und stellen Sie den Rumpf mittig darauf. Jetzt brauchen Sie noch zwei Hartholzleisten (je länger, desto genauer, mind. 50cm), die wir an einem Ende aufdoppeln und am aufgedoppelten Ende mit Bohrungen für den Fahrwerksstahldraht versehen. Nun links und rechts auf den Draht aufschieben und parallel zur Mittellinie ausrichten - Fahrwerk so fixieren. Die Fahrwerksfläche muß um ca. 2cm pro Seite verbreitert werden. Als Räder können Sie die von Flair nehmen, die jedoch wegen des relativ hohen Gewichtes mit großen Erleichterungsbohrungen versehen werden müssen. (Bild

Einstellwinkel / Schwerpunkt: Die EWD wurde wie folgt eingestellt: obere Fläche +2, mittlere Fläche +1, untere Fläche +2, Fahrwerkfläche+2. Für das Höhenleitwerk ergibt sich durch die Rumpfoberseite, gebaut genau nach Plan, der Winkel von selbst (negativ). Mit diesen Einstellungen liegt die Fokker ruhig und vorbildgetreu. Der Schwerpunkt wird beim Einfliegen nach Bedarf des Piloten festgelegt. Bei meiner Fokker ist der Schwerpunkt laut Plan zur sicheren Seite (etwas kopflastig) ohne Zugabe von Blei, nur mit richtiger Anordnung der Anlage und der Stromversorgung, erreicht worden.  

Anlenkung / Ruderausschläge: Alle Ruderhörner wurden aus 2mm-Pertinax hergestellt, die Verbindung zu den Rudern wie beim Original mit Drahtseilen ausgeführt. Überlegen Sie vorher, in welcher Reihenfolge Sie die Seile einziehen, ohne sie zu kreuzen (Knackimpulse, schlechte Seilspannung). Spannschlösser oder sonstiges können nach eigenem Ermessen auf der Servoseite verwendet werden. Die Seile sind bei mir (ausgenommen Querruder) nicht direkt, sondern über selbstgefertigte Sandwichhebel angeschlossen, die ihrerseits von kurzen Schubstangen durch das Servo betätigt werden. Damit wird die Zugbelastung nicht auf das Servo übertragen und die Anlenkung wird spielfrei, sofern die Lagerung der Hebel auf einem starken Querbrett im Rumpf (M3-Schraube mit Messinglager) ausgeführt wird. Achten Sie darauf, immer mit Expo oder entsprechend verkleinerten Ruderausschlägen auf Höhe und Seite zu fliegen. Wählen Sie die Ausschläge (was durchaus möglich ist) nicht extrem. Bei zu großen Wegen auf Höhen- und Seitenruder wird die Fokker unfliegbar! Bei Anlenkungsbreiten von 4,5cm Ruderhorn und 4cm Sandwichhebel (außen angelenkt) höchstens 30mm +/- am Höhenruder, ca. 35mm +/- am Seitenruder.  

Flugerfahrung: Beim Start ist die große Wirksamkeit des Seitenruders zu bedenken, also keine großen Ausschläge geben! Wenn Sie die Möglichkeit haben, fliegen Sie Exponential (bei mir auf Seitenruder 70%!). Die ersten 4-5m voll gezogen bei langsamen Gasgeben (wichtig, da sonst wieder der Abbiegeeffekt ohne Blinker auftritt), dann langsam Höhenruder nachlassen. Sie hebt von selbst das Heck. In leichter Tip am Höhenruder und schon schaukeln drei Flächen in der Luft. Beim Fliegen werden Sie mit Halbgas auskommen. Als untere Grenze der Motorisierung ist ein 120er 4-Takt oder ein 15ccm Zweitakter zu betrachten. Wobei ein Zweitakter an dieser Maschine schon einen Stilbruch im Bezug auf Motorgeräusch und das Vorbild darstellt. Sie müssen immer darauf gefaßt sein, Seitenböen auszugleichen. Die Seitenwindempfindlichkeit ist durch die vielen Flächen, den relativ hohen Rumpf und das große Seitenruder hoch. Zur Landung: schlagartiges Herausnehmen der Drehzahl (voll drosseln, Motorabsteller) bewirkt einen steilen Sinkflug, den Sie nicht durch Ziehen abflachen sollten (großer Stirnwiderstand, Geschwindigkeitsverlust!). Erst kurz vor dem Boden gefühlvoll ziehen. Machen Sie das nicht, fällt sie durch und ist nicht mehr abzufangen. Zahnstocher sind die logische Folge. Normalerweise kommen Sie mit 1/4 Schleppgas - WICHTIG - zur Landung und drosseln. Dann in etwa 0,5m Höhe leicht ziehen und das sprichwörtliche Ei unter der Fahrwerktragfläche bleibt unbeschädigt. Mir ist es bis jetzt nicht gelungen, die Fokker ins Trudeln zu bringen. Das es immer ein Spiralsturz wird, bewirkt der Schwerpunkt (etwas Kopflastig).  

Zusammenfassung: Der Baukasten von "Flair" im Vertrieb von Jamara ist eine gute Grundlage für ein Scale-Modell. Es fallen zwar viele kleine Änderungen an (keine betrifft die eigentliche Konstruktion), die aber sehr leicht durchzuführen sind. Sie erwerben ein Modell, das Sie auf Wettbewerben mit gutem Erfolg einsetzen können und das auf Grund des einmaligen und außergewöhnlichen Flugbildes eine Augenweide ist. Nun bleibt mir nur mehr, Ihnen Holm- und Rippenbruch (es sind ja genug da) und viel Freude beim Fliegen zu wünschen.  

Technische Daten:

Spwt. Oben

1890 mm

Spwt. Mitte

1620 mm

Spwt. Unten

1440 mm

Länge über alles

1480 mm

Motor

OS FT 160 Gemini (2x 13,26ccm) 4-Takt Boxer

Luftschraube

20 x 6, ca. 6000 U/min mit Original-Dämpfer

Lautstärke

83 dBA

Bespannung

Silk-Kote

Lackierung

Air-Brush mit anschließender 2-K-Lack Versiegelung

Gewicht

6100 g