DIE SPIELER

Vom Glanze geblendet, der Marmor ganz fein,
so geht man in die geheiligten Hallen hinein.
Ein Sakko und Krawatte sollte man tragen,
sonst braucht man den Eintritt erst gar nicht zu wagen.
Den Namen verlangt man am Eingang von Dir,
Dein eigenes Ich, Du läßt es hier.
Du bist jetzt ein Spieler - Du glaubst an Dein Glück -
und hoffst, Du kehrst mit Millionen zurück.
Wie vom Teufel besessen, den Blick starr auf die Scheiben,
stehen sie da und werden auch bleiben.
Gepackt von der Sucht, das Glück zu erzwingen,
werden sie den ganzen Tag hier verbringen.
Die Augen ganz fest auf die Symbole gerichtet
hat mancher im Leben auf vieles verzichtet;
das Geld wird geschluckt von den Automaten -
ob sie etwas gewinnen, das kann man nur raten.
Wenn sie den Gewinn von Minuten zählen,
würden sie nie mehr etwas anderes wählen -
als hier zu stehen, geschniegelt, gekämmt,
um sich zu vergnügen im reinweißen Hemd.
Und hat er gewonnen, fühlt er sich dann frei -
auch wenn er vorher verloren, es ist einerlei.
Man sieht sie versteinert auf die bunten Scheiben sehen,
sie sind einfach nicht fähig, jetzt schon zu gehen.
Die Sucht, die sie hält, ihnen jetzt zu erklären
würde bestimmt eine Ewigkeit währen:
hier ist meines Lebens Quelle -
nur hier kann ich Leben, an dieser Stelle;
so würden sie reden, ich bin lieber hier
and're trinken im Gasthaus das siebente Bier.

Ich weiß nicht, ist hier der Besuch
ein Segen, Vergnügen oder ein Fluch?
März 1992