DIE PLASTIK
Da steht sie majestätisch nun
ohne nur irgendwas zu tun.
Die Menschen haben sie hier aufgestellt,
weil der leere Platz nicht mehr gefällt;
es haben unsere Politiker
ohne Rücksicht auf die Kritiker
uns beglückt mit dieser Plastik
das Werk heißt: "Mensch bei der Gymnastik".
So steht es auf dem Schild zu lesen,
das beschreibt das dargestellte Wesen.
Als Werkstoff hatte man Metall benützt
(mit Lack gegen den Rost geschützt).
Der Künstler hatte wohl nie Zeit
und auch nicht die Gelegenheit
zu sehen, wie man richtig turnt
was mich, ganz frei gesagt, sehr wurmt!
Aus Draht und Rohr, sehr rund gebogen,
steht sie jetzt da, es wär' gelogen,
würde ich sagen, sie gefällt
obwohl - um's Steuergeld hier aufgestellt
verlangen könnt der Bürger dies
doch diese Plastik: sie ist mies!
Nicht in Schönbrunn bei uns'ren Affen
hat schöne Kunst die's Werk geschaffen;
der Künstler nahm zur Inspiration
vermutlich ein verbeultes Grammophon?
Denn so, wie diese Rohre stehen,
kann doch kein Mensch vernünftig gehen.
Die Knochen müßten sehr elastisch,
die Beweglichkeit fantastisch
und Muskeln stark wie Seile sein,
nimmt man mal diese Stellung ein!
Noch nie sah' eine Taube ich herniederschweben
noch nie 'nen Hund das Bein d'ran heben;
die Kinder geh'n nur mit Geschrei
und unter Strafdrohung vorbei.
Das regt doch an zu kritisch denken
was uns Politiker da schenken.
Einen Vorschlag hätte ich zu machen,
da könnten wir darüber lachen:
der Kanzler soll die Plastik haben
kann so die Augen an ihr laben
in seinem Garten stellen wir sie nur:
dann hat ER auch was von Kultur!
September 1986