VIER  JAHRESZEITEN

Der Winter

Der Winter herrscht mit kalter Macht
bedeckt das Land mit weißer Pracht
die Kälte geht durch Mark und Bein
es friert sogar das Wasser ein.
Der Winterstürme Ungebärde Kraft
rauben dem Baum und Strauch den Saft
doch manchmal scheint die Sonne wieder
strahlt kühl jetzt auf das Land hernieder
es regt sich Leben dann im Wald -
der Tag ist schön - doch bitter kalt
stirbt dann der Winter, sieht man im Hain
Schneeglöckchen blüh'n, ganz zart und fein.
Die Luft ist lau, ein zarter Wind
taut auf die Zweige, die gefroren sind
die Bäche fließen wieder schnell
von Eis befreit und glitzern hell
die Tiere schütteln ab im Land
was in Verstecke sie verbannt
vom Himmel nun die Sonne lacht:
gebrochen ist des Winters Macht!

Der Frühling

Ein warmer Regen fällt herab
und weckt die Blumen in dem Grab
das Erde schützend über Sie gelegt
die Keime werden neu belebt
sie drängen hoch mit aller Macht
entfalten sich zur Blütenpracht
das Land, es kleidet sich in grün
die Bäume recken ihre Wipfel kühn
hinauf zum Licht - in langen Reihen -
breiten Äste aus, als ob sie Arme seien
die Tiere dort in Wald und Flur
erwachen so wie die Natur
alle erspür'n die starken Triebe
das ganze Leben ruft nach Liebe
ein hauch von gelb bedeckt die Felder
und neues grün verschönt die Wälder
verträumte Dörfer liegen da
in Schönheit, die man selten sah:
die Weite leuchtet jetzt in Farben
der Frühling, er läßt niemand darben!
Der Sommer
Strahlend ist das Himmelszelt
das sich spannt um diese Welt
Azurblau leuchtet der Himmel
das Reh, der Hase und der Schimmel
und all die andern Tiere hier
sind froh und glücklich so wie wir
es liegt ein unsichtbares Band
rund um die Welt - bis Feuerland
der Wind wird diese Brücke schlagen
wird Lebensfreude mit sich tragen
in gold'nen Ähren reift das Brot
beim Bäcker rauchen Herd und Schlot
es reifen Äpfel, Birnen, Trauben
um uns herum in schattig' Lauben
in zartem rot versinkt die Sonne
jeder genießt des Lebens Wonne
doch schon - man spürt es dann und wann
weht uns der Wind nun kühler an
der Sommer, langsam er vergeht -
der Herbst, die vierte Jahreszeit, entsteht!
Der Herbst
Der Herbst sein großes Füllhorn leert
stürmische Winde er beschert
so viele Farben kann man schau'n
von grün und rot, von gelb und braun,
von Ocker und von Himmelblau
er legt auf Blüten zarten Tau
die Felder liegen leer im Land
die Bauern säen mit starker Hand
des Winters Frucht in seine Erde
damit es eine gute Ernte werde
die bunten Blätter fallen nieder
und Laub bedeckt die Erde wieder
man sieht verwelken jetzt die Rose
dafür erblüht die Herbstzeitlose
die Tiere machen sich bereit
für eine harte Winterzeit
der Regen ist nun kalt und schwer
der Wind bringt große Wolken her
aus ihnen fällt der Schnee hernieder:
der Winter hat die Erde wieder!
Wien, 26. 10. 1967